1903 Klara Zetkin fordert auf der sozialdemokratischen Frauenkonferenz in Bremen: - eine einheitliche Volksschule - Unendgeldlichkeit des Unterrichts und der Lehrmittel - Einrichtung von Schulkantinen - Einrichtung und Besserung von Kinderbewahrungsanstalten Lesestücke in den Realschulen: "Fürstliche Erziehung", "Unter- tanentreue", "Weihnachten in Feindesland". 1904 Alldeutscher Verband aus Professoren, Lehrern und Geistlichen gebildet: "...Wir können nicht einsehen, dass die ganze weite Welt geschaffen ist nur für Franzosen und Engländer, nur für Russen und Japaner, und wir vermögen nicht zu glauben, dass wir allein uns bescheiden sollen mit dem Teile, den ein Gottesgeschenk uns vor 40 Jahren in den Schoß warf..." Der I. Weltkrieg wird ideologisch vorbereitet. Die Copitzer Schule schafft einen ausgestopften Hamster und einige Bücher im Wert von 50,00 Mark an. 1905 Versäumnistage der Schüler im vergangenem Schuljahr: 5930; 6,51 je Schüler im Durchschnitt. Gesamtzustand der Kinder: gut, keine Epidemien. 1906 Die Copitzer Schule schaffte 4 Vögel, 1 Maulwurf, eine Kreutzotter im Spiritus, 2 Wandtafeln der deutschen Kleinvögel, 1 Kompass, 1 Stabmagnet, 1 Hufeisenmagnet im Gesamtwert von 60,00 Mark an. 1907 Der Gesundheitszustand der Kinder ist befriedigend. Es gab Scharlachepidemien. 1908 An der Copitzer Schule lernten 985 Kinder in 23 Klassen. Die Klassenschülerzahl beträgt im Durchschnitt 43 Kinder. 1909 In der Copitzer Schule lernten 977 Kinder in 23 Klassen. Die Klassenschülerzahl beträgt im Durchschnitt 42 Kinder. Der Gesundheitszustand der Kinder ist nur genügend. Es gab eine Maserepidemie. 1910 In der Copitzer Schule lernten 1007 Kinder in 24 Klassen. Die Klas-senschülerzahl beträgt im Durchschnitt 42 Kinder. Der Gesund-heitszustand ist nur genügend. Viele Fälle von Masern und Scharlach. Die Schule schaffte eine Karte der Amtshauptmannschaft Pirna, 6 Tafeln biologische Bilder, 7 Tafeln von Eschner, 4 geographische Bilder, 5 kartographische Bilder, Inventarbücher und physikalische Apparate im Gesamtwert von 180,00 Mark an. 1911 An der Copitzer Schule lernten 935 Kinder in 24 Klassen. Die Klassenschülerzahl beträgt im Durchschnitt 39 Kinder. Der Gesundheitszustand ist nur genügend. Scharlach und Diphtherie traten auf. 1912 An der Copitzer Schule lernten 927 Kinder in 24 Klassen. Die Klassenschülerzahl beträgt im Durchschnitt 39 Kinder. Der Gesund-heitszustand ist genügend. Scharlach und Masern traten auf. 1913 An der Copitzer Schule lernten 935 Kinder in 24 Klassen. Die Klas-senschülerzahl beträgt im Durchschnitt 39 Kinder. Der Gesund-heitszustand ist nur genügend. Das Schuljahr beginnt mit: 1 Direktor, 1 Oberlehrer, 10 Lehrern, 3 Hilfslehrern und 1 Fachlehrerin für Nadelarbeit. Die Schule schaffte 1 Wandkarte Deutsche Mittelgebirge, Anschau-ungsbilder Leipzig, Aufruf 1813, Lehrerbücherei, Chemikalien (erstmalig!), Werkzeuge, Spielfahnen, 1 Bilderschränkchen und eine Meßlatte im Gesamtwert von 126,37 Mark an. " Jungenddeutschland- Post" im April: " ... Auch und wird einmal die hohe, große Stunde die wir uns heimlich wünschen dürfen, schlagen ... still und tief im deutschen Herzen muss die Freude am Krieg und ein Sehnen nach im leben, weil wir der Feinde genug haben und der Sieg nur einem Volke wird, das mit Sang und Klang zum Kriege wie zum Feste geht." 1914 An der Copitzer Schule lernten 964 Kinder in 24 Klassen, im laufe des Schuljahres wurden es 21, dann 19 Klassen. Die Klassenschülerzahl beträgt im Durchschnitt 51 Schüler. Der Gesundheitszustand der Kinder ist gut, keine Epidemien Der Kriegsausbruch löste auch an der Copitzer Schule eine patriotische Welle aus. 19.12. Siegesfeier, Festrede durch den Direktor: Hindenburg und der Feldzug im Osten. Die Akten sagen aus, dass noch mal 10 Zimmer, Treppenhaus und Gänge, Fußböden malermäßig instand gesetzt wurden. Für die folgenden Jahre fehlen derartige Angaben. 1915 An der Copitzer Schule lernten 951 Kinder in 19 Klassen. Die Klassenschülerzahl beträgt im Durchschnitt 50 Schüler. Der Gesundheitszustand hat sich wesentlich verschlechtert in folge mangelhafter Ernährung! Die Schule schaffte Anschauungsbilder von Geschützen, Kriegsschiffen, Luftfahrzeugen, Unterseebooten, Bilder für Geographie, 3 Ausgestopfte Vögel und Lehrbücherei im Wert von 97 Mark an. 27.01. Kaisergeburtstag, Lehre Assert: Unser Kaiser, der Hort des Friedens. In diesem Jahr waren es 8372 Versäumnistage, im Durchschnitt fehlte jeder Schüler 9 Tage. Lehrer und Schüler führten verschiedene Sammlungen durch: Im Januar wurden Lehrer und Schüler zur schnellen Durchführung der Reichswollwoche freigestellt. Im März sollen Schulgelder für die Kriegsanleihe gespendet werden. Im April Sammlung für das Rote Kreuz im Königreich Sachsen. Im Mai helfen die Schüler bei der Erhebung von Mehl und Getreide. 1916 An der Copitzer Schule lernten 923 Kinder in 18 Klassen. Die Klas-senschülerzahl beträgt im Durchschnitt 51 Schüler. 27.01. Kaisergeburtstag, über die Grundlagen deutscher Macht und Größe. 05.06. Auf behördliche Anordnung festliches gedenken des Siegels am Skagerrak. 08.12. Feier anlässlich der Einnahme von Bukarest. Die Schule schaffte Wandkarten von Nordamerika, Handgezeichneter Plan der Stadt Pirna, Karten des deutschen Reiches, 52 Blätter von Königstein zum Handgebrauch der Schüler, Kartenmodell eines Kubikmeters, kulturgeschichtliche Bilder, Anschauungsmaterial: Deutschland, Tatsachen und Ziffern, 17 Werke für die Lehrbücherei an für 144,40 Mark. Schenkung durch den Flottenverein Pirna: Nachbildung von Schiffen. Jahresbericht des Direktors der Copitzer Schule:" Während zu Anfang des Krieges die fördernden Einflüsse desselben auf den Unterricht fast eben so stark waren wie die mit ihm verbundenen Hemmungen, überwiegen mit seiner längeren Ausdehnung die letzteren mehr und mehr. Im vergleich zum Schuljahr 1914/15 sind die Zahlen der unentschuldigten Schulversäumnisse. . . auf das Fünffache gestiegen. In erschreckendem Maße mehren sich Fälle von Diebstahl, Verübung von Flurschäden, von Sachbeschädigung, zunehmende Gleichgültigkeit des Elternhauses gegen. . . Nachlässigkeit und Trägheit in der Anfertigung häuslicher Aufgaben, Liederlichkeit der Kinder in Kleidung und Benehmen, nächtliches Umhertreiben u.a.m. . . . Fast kein Tag verging im verflossenen Schuljahr, an dem nicht . . . z.T. recht erhebliche Klagen über das Verhalten der Schuljugend einliefen. . . Auffallend ist. . . das bei den meisten Vergehungen jüngere Schulkinder in Frage kommen. . . während sich bei den größeren Knaben und Mädchen in erfreulicher Weise immer noch der erzieherische Einfluss eines wenn auch nur mühsam geordneten Schulunterrichts bemerkbar macht." Mai: Sammlung von Weißblechbüchsen, Haussammlungen (Raucherspender) Juli: Volksspende für deutsche Zivil- und Kriegsgefangene Oktober: Haussammlungen für das Rote Kreuz September: Sammlung von Zeitungspapier für den Heeresbedarf 1917 An der Copitzer Schule lernten 917 Kinder in 18 Klassen. Die Klas-senschülerzahl beträgt im Durchschnitt 51 Schüler. Das Schuljahr beginnt mit: 1 Direktor, 5 ständige Lehrer, 2 Schulver-treter und 1 Fachlehrerin für Nadelarbeit Die Schule schaffte Dezimal- Zahlenbildtafeln, 48 Tafeln, Model eines Wanduhrenziffernblattes, ein ausgestopfter Siebenschläfer, naturkundliche Wandtafeln (7 Bilder), geographische Wandbilder, geographische Charakterbilder, Heimatbilder aus Ostpreußen ( je 1 Tafel), Geschichtsbilder ( je 1 Tafel) an für 54,30 Mark. Für die Lehrbücherei wurden 82,75 Mark ausgegeben. Es wird lediglich der Geburtstag des Kaisers, des Königs und Hindenburgs gedacht. ( Siegesfeiern entfallen) In Jahresbericht schreibt der Direktor: " Eine Christbescherung, wie in den Vorjahren für Kriegskinder gebräuchlich, konnte den Zeit-schwierigkeiten entsprechend im Berichtsjahr nicht stattfinden." Auch in diesem Jahr fanden Sammlungen statt: März: Haus- und Straßensammlung verbunden mit Verkauf von Postkarten und Abzeichen. Juli: U-Boot- Spende weiterhin wurden die Kinder für die Verteilung von Kriegsflugblättern eingesetzt und beteiligten sich an der 4., 5. und 6. Kriegsanleihe mit 4100, 1600 und 1450 Mark. 1917 An der Copitzer Schule lernten 917 Kinder in 18 Klassen. Die Klas-senschülerzahl beträgt im Durchschnitt 51 Schüler. Das Schuljahr beginnt mit: 1 Direktor, 5 ständige Lehrer, 2 Schul-vertreter und 1 Fachlehrerin für Nadelarbeit. Die Schule schaffte Dezimal- Zahlenbildtafeln, 48 Tafeln, Model eines Wanduhrenziffernblattes, ein ausgestopfter Siebenschläfer, naturkundliche Wandtafeln (7 Bilder), geographische Wandbilder, geographische Charakterbilder, Heimatbilder aus Ostpreußen ( je 1 Tafel), Geschichtsbilder ( je 1 Tafel) an für 54,30 Mark. Für die Lehrbücherei wurden 82,75 Mark ausgegeben. Es wird lediglich der Geburtstag des Kaisers, des Königs und Hindenburgs gedacht. ( Siegesfeiern entfallen). In Jahresbericht schreibt der Direktor: " Eine Christbescherung, wie in den Vorjahren für Kriegskinder gebräuchlich, konnte den Zeit-schwierigkeiten entsprechend im Berichtsjahr nicht stattfinden." Auch in diesem Jahr fanden Sammlungen statt: März: Haus- und Straßensammlung verbunden mit Verkauf von Postkarten und Abzeichen Juli: U-Boot- Spende weiterhin wurden die Kinder für die Verteilung von Kriegsflugblättern eingesetzt und beteiligten sich an der 4., 5. und 6. Kriegsanleihe mit 4100, 1600 und 1450 Mark. 1918 An der Copitzer Schule lernten 900 und am Schuljahresende 866 Kinder in 18 Klassen. Die Klassenschülerzahl beträgt im Durchschnitt 50 und am Schuljahresende 48 Kinder. Der Gesundheitszustand ist schlechter als im Vorjahr, vereinzelt Pockenfälle, Grippe sehr zahlreich, Schließung der Schule auf bezirksärztliche Anordnung vom 24.10. bis 18.11.1918. Das Schuljahr beginnt mit 7 fehlende Lehrkräften. In zunehmenden Maße war man bereits zu Kurzstunden übergegangen. Verschiedentlich musste der Unterricht aus Mangel an Heizmaterial gänzlich Ausfallen. Dazu kam der sich immer verschlechternde Gesundheitszustand der Kinder. Als die Schulneulinge untersucht werden, stellt sich heraus, das nur noch 3,9 % der Kinder völlig gesund sind. Rachitische Krankheits-erscheinungen und Blutarmut nehmen rapide zu, das Gewicht nimmt ab. Ein Kinderhort wird geplant doch das Vorhaben scheitert, weil es keine Kräfte und Mittel dazu gab. Am 30. Januar streikten im Stahlwerk " Gebrüder Hunger" 450 Arbeiter von 500 für die bessere Versorgung mit Lebensmitteln. Das Ende des Krieges war nicht mehr aufzuhalten. Die Revolution reifte heran. 1919 Noch bevor die Weimarer Verfassung in Kraft trat, verabschiedete die Sächsische Landesregierung ein Übergangsgesetz für die Volksschulen. Diese Übergangsgesetze bedeuteten für die Volksschule gegenüber früher einen Fortschritt. Das wird an folgenden Festlegungen deutlich: 1. Trennung der Schule vom Einfluss der Kirche 2. Festlegung verbindlicher Lehr- und Übungsgebiete für die Volks- und Fortbildungsschüler 3. Fortbildungsschulen für Mädchen 4. Schulgeldfreiheit für Volks- und Fortbildungsschulen 5. Bildung von Elternräten 1920 Es wird der Wunsch spürbar nach einer " unpolitischen Schule". In einem Brief heißt es: " Die reiferen Schüler und Schülerinnen werden sich auch für eine der politischen Parteien entscheiden. Diese werben alle um Euch - hier und da mit unlauteren Mitteln. Ihr habt das Recht, Euch frei zu entscheiden. Aber unvereinbar mit dem Geiste, der in der Schule herrschen soll, ist es, in der Schule für die eigene, gegen die anderen Parteien zu agitieren. Leider erfolgt der Streit der Parteien draußen in Formen, die die innere Einheit unseres Volkes zerstört. Die Schule aber soll die Einheit fördern. Darum muss sie den Parteistreit von sich abwenden. Wer ihn hineinträgt, bricht ihren Gottesfrieden. Die Lehrer sind zu Wächtern dieses Friedens bestellt." 1921 Schuljahresbericht: " Der Elternrat hat sich in anerkannter Weise bemüht, unsere Schularbeit zu unterstützen. So hat auf seine Anregung und mit seiner Hilfe am 26. und 27. November in der Schulturnhalle im Anschluss an eine darüber aufklärende Elternversammlung einer Bücherausstellung mit Verkauf stattgefunden, wobei ein Umsatz von gegen 2000 Mark erzielt worden ist. Es ist auch schon, ebenfalls vom Elternrat angeregt, eine Elternversammlung geplant zwischen Weihnachten und Ostern, die sich mit Kino und Theater beschäftigen soll." 1922 Die amerikanischen Quäker stellten den hilfsbedürftigen Schulkindern Lebensmittel zur Verfügung. 1921 durften 43 Kinder, am Ende des Jahres 60 Kinder daran teilnehmen. Über 200 Kinder waren aber unterernährt. Ab Ende Mai 1922 nahmen 140 Kinder teil. 1923 Die Ortsgruppe Copitz der Gemeinschaft proletarischer Freidenker veranstaltet am Sonntag, dem 18. März 1923, 10.00 Uhr, für die Ostern aus der Schule kommenden Knaben und Mädchen, die einer Konfirmation nicht zugeführt sind eine Jungendweihe. Dies war die erste Jungendweihe in unserer damaligen Turnhalle. Im Schuljahresbericht führte der Schulleiter Brendel dazu aus: " Wenn der Lehrer auf die Arbeiter schimpft, so sagen wir ihm die Wahrheit, und wenn er mit Gewalt gegen Klassenkameraden vorgeht, so werden wir geschlossen protestieren. Kein Arbeiterkind darf sich gefallen lassen, dass auf die kämpfenden Arbeiter geschimpft wird! Wenn unsere Väter im den Generalstreik treten, dann sollen wir den Schulstreik beschließen, um zu zeigen, das wir uns nicht verdummen und verhetzen lassen, sondern das wir uns mit der erwachsenen Arbeiterschaft eng befreunden. Gemeinsam werden wir in Kundgebung fordern: Fort mit den reaktionären Lehrer! Kontrolle des Unterrichts und der Lehrerschaft durch die Elternbeiräte! Um diese Forderung zu erringen, müssen wir stark und einig sein. Wir wollen in der Schule feste Zellen bilden, in denen sich alle Kinder vereinigen, die bereit sind, zu kämpfen..." Durch die Weltwirtschaftskrise wurden die Preise erhöht. Während Schweinefleisch 1914 1,00 Mark kostete bezahlte man im Februar 1923 5200,00 Mark. Butter kam im Jahr 1914 1,20 Mark und Brot 0,45 Mark während im Februar 1923 die Butter 7400,00 Mark und das Brot 200,00 Mark kostete. Der Gesundheitszustand der Kinder ist im allgemeinen als ungünstig zu bezeichnen, was in der Hauptsache wohl als Folge der schwierigen Lebensbedingungen ( Ernährung, Kleidung, Wohnung, Heizung, Erwerbslosigkeit usw.) zurückzuführen ist. Auch der Gesundheitszustand der Lehrer war ungünstig. 1924 Im September wird die Quäkerspeisung ganz beendet. Der beginnende anscheinenden wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands wirkt sich auch bedingt auf die Volkschule aus. Es wurden eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet, die zur Überwindung des bedenklichen Gesundheitszustandes der Kinder führen sollten. So konnte eine größere Anzahl von Kindern ( bis zu 200 ) eine warme Speisung für wöchentlich 20 Pfennige erhalten, des gleichen auch einen halben Liter Milch. Weiterer Ausdruck des Bemühens um Verbesserung des Gesundheitszustandes war der Erholungsaufenthalt für jährlich wenige Kinder in Erholungsheimen. Im Sommer wurden an 2 Tagen wöchentlich den Schülern der Volksschule Copitz ein kostenloser Besuch des Elbebads ermöglicht und im Winter das wöchentliche Brausebad in der Mädchenschule Pirna für alle Kinder, die zu Hause kein eigenes Bad besaßen. 1925 Schuljahresbericht: " Der an der hiesigen Volksschule bestehende Elternrat hat im Berichtsjahr nur 2 Sitzungen abgehalten. In der letzten der selben am 29. Januar 1925 wurde nach längerer Aussprache der einstimmige Beschluss gefasst, möglichst bald eine Elternversammlung abzuhalten mit dem Vortrag eines Lehrers über " Die heutige Volksschule." Diese allgemeine Elternversammlung, die einzige im Berichtsjahr, fand am 19. Februar 1925 statt." 1927 Schuljahresbericht: " Der Elternrat hat im ganzen 4 Sitzungen abgehalten, in denen außer der Erledigung geschäftliche Angelegenheiten einstimmig beschlossen wurden, zu beantragen, das die Milchabgabe verbilligt und die Einkommensgrenze für Genehmigungen der besonderen Lehrmittelfreiheit erhöht werden. Bei 2 Stimmenthaltungen wurde beschlossen, gegen den Reichsschulgesetz- Entwurf Einspruch zu erheben. Von Mitgliedern der Lehrerschaft wurde Aufklärung gegeben über den Übergang von Kindern in höhere Schulen Pirnas, deren Organisation und Ziele, eine Aussprache über Schulwanderungen und Arbeitsschule führte zu dem einstimmigen Beschluss, in einer Elternversammlung über diese Gebiete aufzuklären. Diese Elternversammlung, die einzige im Jahr, fand am 18. Oktober 1927 statt und war gut besucht. 1931 Schuljahresbericht: " Der Elternrat hielt auch in diesem Jahr einige Sitzungen ab, in denen er meist Berichte der Schulleitung entgegennahm. Lebhafte Anteilnahme fand die Schule bei der Elternschaft, als die Notversorgung tief in das sächsische Schulwesen eingriff. In Pirna fand eine Kundgebung der Elternschaft gegen die Notverordnung statt, das nun mehr auch die Bildung der kommenden Generation unter der Gegenwart leiden solle. Den verschiedensten Aufforderungen radikaler Gruppen zum Schulstreik wurde in keinem Falle nachgekommen. " 1932 Die Wirtschaftskrise und besonders die Notversorgungen griffen tief in das Schulleben ein. Neben einer Verminderung der Stundenzahlen für den Unterricht ( um Lehrgehälter zu sparen) waren es vor allem die fehlenden Finanzen für Lehr- und Lernmittel. Die allgemeine " Lernmittelfreiheit", 1921 beschlossen, war schon lange aufgehoben, die Bedürftigengrenze in der Zwischenzeit von 2000 RM auf 800 RM Jahreseinkommen herabgesetzt. Obwohl noch 1460 RM für den Schulhaushalt der Volksschule Pirna- Copitz vorgesehen, sind in Wirklichkeit nur 430 RM freigegeben worden. In dieser Situation drückt der Schulleiter im Jahresbericht 1931 seine Sorge um das Schulwesen mit folgenden Worten aus: " Die Schule ist eingetreten in eine 3. Notzeit, die beinahe schlimmer für die Schule sich auswirken droht, als dies bei den vergangenen Notzeiten, die Kriege und Inflation brachten, der Fall war." In diese Sorge der sozialdemokratische Schulleiter Renker auch die " geistige Not " mit ein. Er beklagte das die Eltern politische Fragen vor den Kindern debattieren und somit " die Zerrissenheit unseres Volkes in viele Lager" auch Unruhe in die Schulstuben brachte. " Die Neigung zum Radikalismus ist groß." Mit Erleichterung stellte der der NSDAP angehörende neue Schulleiter Diezmann ein Jahr später fest: "Die im letzten Jahresbericht erwähnten politischen Zersplitterrungen und Verhetzung in ihre Auswirkung auf das Kind und Schule wurde im März 1930 durch die nationale Revolution mit einem Schlag beendet." 1933 Geheime Ansprache Adolf Hitlers vor dem Befehlshabern des Heeres und der Marine am 3. Februar ( aus der Niederschrift eines Teilnehmers) " Ziel der Gesamtpolitik allein: Wiedergewinnung der pol(itischen) Macht. . ." Das sollte sich auch sehr bald an unserer Schule zeigen. Im Verwaltungsbericht der Stadt Pirna heißt es: " Eine gründliche Überprüfung der Lehrer nach ihrer politischen Zuverlässigkeit führte zur Dienstentlassung des Lehrers Schmitz am 16. August. Ostern übernahm Oberlehrer Diezmann die Leitung der Schule. Herr Lehrer Schmitz wird am 7. März in Schutzhaft genommen. Er gilt als beurlaubt." Der Leiter der Schule, Lehrer Renker, wird nach Pirna versetzt. So begann an unserer Schule die " Säuberungsaktion" . Es wurden 256 Personen in Schutzhaft genommen. Der Auflösung verfielen 57 Vereine. Ab 1. Oktober wurde in Pirna eine politische Abteilung der Polizei eingerichtet. Allein in Copitz kam es zu 50 Wohnungsdurchsuchungen. Am 10. Mai verbrannten die Faschisten in den deutschen Hochschulstädten auf riesigen Scheiterhaufen Bücher. Auch in Pirna fanden solche Exzesse statt, und zwar auf der damaligen Breiten Straße, die jetzige Karl- Marx- Straße, dort, wo sich heute das Geschäft des Volksbuchhandels befindet. Im Verwaltungsbericht der Stadt Pirna hört sich so an: " Wie Wissenschaft, Kunst, Politik und Weltanschauung stand auch das deutsche Schrifttum an einer Zeitwende von einschneidender Bedeutung. . . Unter dem Gesichtspunkt, das die Bücherei den Ziele des nationalsozialistischen Staats zu dienen hat, wurde nach behördlichen Richtlinien die Bestände von allem Schrifttum gesäubert, das zersetzende Wirkung haben könnte, und ebenso wurden Werke für staatsbürgerliche Erziehung entfernt, die durch die Entwicklung überholt waren." Und der damalige Direktor unserer Schule säuberte " nach behördlichen Richtlinien" Schüler- und Lehrerbücherei.Der Direktor der Schule sieht das in einem Bericht für das Schuljahr so: " Das neue nationalsozialistische Reich sieht die Lehrer nicht müßig. Das Sein zur großen Sache des Vaterlandes willen, ist jedem Lehrer der Schule nicht nur heilige Pflicht, sondern auch eine Freude und befreiende Befriedigung." 1934 Auch jetzt wird die " Säuberungsaktion" fortgesetzt. Weitere 17 Bürger kommen in Schutzhaft. Lehrer wurden zu sogenannten " Kursen für Rassenkunde" delegiert. "Ich weis nicht, was soll es bedeuten . . ." , diese und andere schöne Weisen erklangen nun nicht mehr in unserer Schule. Statt dessen berichtet der Direktor : " Mit Begeisterung wurden im Gesangsunterricht die lebensfrischen Lieder des Jungvolks und der Hitlerjugend geübt." "Drei Lehrkräfte durften nach den Anordnungen der obersten Schulbehörde weder Religions- noch Geschichtsunterricht erteilen. Letzterer zeigt in dem vom Reichsministerium gegebene Richtlinie Stoffe, die den bisher vernachlässigten Bedürfnissen des nationalsozialistischen Erziehungszieles gerecht werden. Diese Bauen sich auf besonders überragende Persönlichkeiten auf, legen wert auf die Vorgeschichte, die Rassenkunde, den völkischen Gedanken, den Umbau des neuen Staates und den Kampf um die außenpolitische Befreiung." 1935 Für weitere 34 Personen besteht Meldepflicht wegen politischer Unzuverlässigkeit. 7 Emigranten werden festgestellt. 32 Personen werden als in Schutzhaft befindlich angegeben. Zu den überwachten Personen gehörten auch die als fortschrittlich bekannten Lehrern. Der neue Direktor, ein Stellvertreter und weitere 2 Lehrer unserer Schule waren Amtsleiter der NSDAP. Bis 1936 wurden alle Lehrer gezwungen, dem NS- Lehrerbund beizutreten, andernfalls drohte die Suspendierung. Es wurde ein Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre, am 15. September, erlassen. Am 10.08. 1935 erscheint ein neues Schulbeirätegesetz, nach dem nur dem Nationalsozialismus ergebene Eltern "eingesetzt" werden. Die Lehrerausfälle wegen der verschiedensten Kurse werden immer häufiger. So heißt es im Bericht:" Zu den verschiedensten Kursen wurden 8 Lehrer 58 Tage delegiert. " u.a. Führerkurse, Gelände-sportkurse, Schießlehrgang und Kurs für Rassenkunde Auf die Schüler übt man immer mehr Druck aus, sich der Hitlerjugend (HJ), dem Jungvolk (JV) oder dem Bund deutscher Mädchen (BdM) anzuschließen. Der Mitgliederstand scheint allgemein im Jahre 1935 unbefriedigend zu sein. So auch an unserer Schule, der zum Zeitpunkt 451 Jungen und 425 Mädchen angehören, davon sind in der HJ 5, im JV 64 und im BdM 88. "Für die nicht der HJ angehörenden Schüler wurde ein Staatsjugendtag eingeführt, um ihnen das nationalsozialistischen Gedankengut näher zu bringen." 1936 Im Schuljahresbericht ist zu lesen: " 9. März 1936- Die Schüler der 8. Klasse besuchten die Ausstellung `Blut und Rasse`." 1937 Am 22. Mai finden in Pirna gleich 3 große Kundgebungen gegen den " jüdischen Weltbolschewismus" statt. In der damaligen Gaststätte Feldschlösschen müssen sich Lehrer und Schüler die Wanderschau " Die rote Weltpest - der Bolschewismus" ansehen. 1939 Der Unterricht muss gekürzt werden, denn 3 Lehrer eingezogen. Doch der Direktor berichtet:" Die höchste Wirkung erzielte unstreitig der Geschichtsunterricht . . . es werden vergleiche gezogen zwischen den jetzigen Kämpfen und dem Weltkrieg. . ." "Land und Leute wurden den Kindern besonders nahe gebracht. Auf der Karte werden die eroberten Gebiete bis zur Demarkationslinie gezeigt. Die Bedeutung des Ostens für unsere Zukunft wurden den Kindern klar. Auch das Kolonialproblem wurde wieder aufgerollt. Dabei kam englische Ländergier und Grausamkeit zur Sprache!" In Musik standen jetzt Marsch- und Kriegslieder auf dem Plan. Das 2. und 3. Schuljahr, so berichtet der Direktor stolz, sang bereits das Erika- und Englandlied. Die Kinder erhielten den Auftrag, ein Kriegstagebuch zu führen. "Vom 15.12. 1939 bis 20.03.1940 muss die Schule auf Anordnung des Bezirksschulamtes geschlossen werden. Ein ungewöhnlich harter Winter und starker Schneefall lassen die Kohlezufuhr stocken. Mittwoch und Sonnabend mussten die Schüler in die Schule kommen, um neue Hausaufgaben in Empfang zu nehmen. Während der Kälteferien werden die Lehrer 4 Tage in der Woche bei den verschiedensten Behörden eingesetzt." 1940 Der Direktor für das Schuljahr: " Der diesjährige Jahresbericht weicht nach Form und Inhalt von den früheren Berichten vollständig ab. Er soll Kenntnis geben von den Schulnöten in schwerer Kriegszeit. . . Um den Leistungsstand. . . wenigstens in den wichtigsten Fächern zu halten, musste in den einzelnen Klassen manches Unterrichtsfach, z.B. Religion, Zeichnen, Gesang, Ja zu weilen Naturgeschichte ganz oder teilweise in Wegfall kommen. . . Ich fürchte, das . . . für Vertiefung und Wiederholung die nötige Zeit fehlte . . . Die meisten Berufskameraden leiden an Nervenerschöpfung . . . Der ungewöhnlich harte und lange Winter sowie das nasse Frühjahr wirkten nachteilig auf die Schule und die Kinder ein. Viele Eltern waren nicht mehr in der Lage, für die Kinder zu beschaffen, was unter normalen Verhältnissen Selbstverständlichkeiten sind: ausreichend Kleidung und einwandfreies Schuhwerk. Mangelhaftes Schuhwerk war häufig Ursache für Schulversäumnisse." 1941 Für das Schuljahr berichtet der Direktor: " Kriegszeit ist Notzeit. . . Die Nöte, die der Krieg. . . bringt, greifen auch recht fühlbar in die Arbeit der Schule ein. . . Ausfall von wöchentlich 123 Stunden. ( Der ) Gesundheitszustand der Lehrer ( ist) recht unbefriedigend. 3 Lehrkräfte fehlen allein 648 Tage. . . An 46 Tagen musste die Schule wegen Brennstoff geschlossen werden. Durch Verlegung des Unterrichts nach Posta und Jessen konnten für die Oberstufe 10, Mittelstufe 8 und die Unterstufe zumindest 6 Wochenstunden gehalten werden. Die Beschaffung der Hefte und Bücher für die Schüler gestaltete sich recht schwierig. Die Fibel kam erst Weihnachten in die Hände der Kleinen. Wegen Heftknappheit mussten Hausaufgaben stark eingeschränkt werden. " 1943 Außer dem Satz " die Erfordernisse des totalen Krieges greifen auch tief in den Schulbetrieb ein", ist dem Schuljahresbericht nichts mehr zu entnehmen. 1944 Das Aktenmaterial über den schulischen Betrieb wird immer spärlicher. Hatte der Bericht 1937/ 38 und für 1938/ 39 noch je 18 Blätter, so sind es 1942/43 nur noch 3 und 1943/44 nur noch 2 Blätter. Die Copitzer Schule soll zu einem großen Teil der Organisation Todt (OT), einer faschistischen Baueinheit hauptsächlich für militärische Anlagen, überlassen werden. 1945 In der Nacht des 13.02.1945 versinkt ein Großteil der Kunst- und Kulturstadt Dresden in Schutt und Asche. In dieser Situation erfolgt am 19.04.1945 der Luftangriff auf Pirna und Pirna- Copitz. Archivmaterial gibt darüber Auskunft, das 760 Wohnungen zerstört wurden und 203 Tote zu beklagen sind. Bei der Identifizierung der Toten gibt es Schwierigkeiten, wie aus einem Aufruf in Pirnaer Anzeiger vom 3.05.1945 zu entnehmen ist. Dort heißt es:" Auf dem Friedhof von Graupa hat eine größere Anzahl der Gefallenen vom Luftangriff am 19.04.1945 aus Pirna- Copitz beigesetzt werden müssen. Leider sind von vielen keine oder nur ganz unzureichende Angaben zu Personen vorhanden. Um die Todesfälle aber ordnungsgemäß Begräbnisbuch und im Grabregister aufzeichnen zu können, ist es notwendig, das nähere Angaben beschafft werden." Im Stadtteil Copitz gab es mittlere bis schwere Bombenschäden, so u.a. an folgenden Grundstücken: Pratzschwitzer Straße 1-5; Hauptstraße 5,23,24,27; Hauptplatz 8,11; Niederleithe 26; Schillerstraße 6,7; Nordstraße 3,10; Oberleithe, Grundstück Menzel; Bauer Pinkert, Grundstück abgebrannt. Nach dem Angriff auf Pirna mit Volltreffer auf die Brücke und die Turnhalle war der Unterricht beendet. Pirnaer Anzeiger vom 21./22.04.1945 folgender Aufruf( leicht gekürzt): Aufruf zur Schanzarbeit! Das Volksaufgebot fordert ab heute, dem 21.04.1945, alle einsatzfähigen Volksgenossen vom 14. Lebensjahr an und alle Volksgenossinnen von 16 bis 30 Jahren zum dringenden Schanzeneinsatz zur Sicherung unserer Heimat gegen den anrückenden Feind. . . Es stellen die Ortsgruppe Pirna- Copitz an der Papierfabrik Pirna- Copitz, Birkwitzer Straße. Geschanzt wird Täglich von 7 bis 12 Uhr und von 12.30 bis 17.30 Uhr. Schanzgerät. . . ist mitzubringen. Schanzen spart Blut! Jeder erfüllt seine Pflicht! Es dürfen auch Schüler unserer 8. Klasse dazugehört haben. 10 Stunden Arbeitszeit für Kinder und Jugendliche bei völlig unzureichender Versorgung mit Lebensmitteln. Doch die Rote Armee dringt unaufhaltsam von Bautzen kommend nach Großröhrsdorf - Bischofswerda vor. Ab 7.05.1945 gilt auch für Pirna- Copitz der faschistische "Auflockerungsbefehl". Wenige Stunden später, am 8. Mai 1945, ereicht die siegreiche Rote Armee Pirna- Copitz.
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